Unterschiede und Gemeinsamkeiten von Fedora und Gentoo

Ich habe mir vor etwas über einem Jahr auf meinem Laptop ein Ubuntu 10.4 LTS installiert. Mein Laptop muss nicht mit der neusten und tollsten Software laufen. Er muss stabil sein, weil ich damit arbeite. Ich will (und kann) mich nicht mit dem darunterliegenden Betriebssystem aufhalten. Allerdings hatte das System irgendwann beim Booten einen Kernelpanic. Da ich schnell wieder ein funktionierendes System benötigte, habe ich eine Gentoo stage3 in das existierende System eingespielt. Damit hatte ich ein stabiles System, was allerdings beim Installieren von Software aus offensichtlichen Gründen immer Probleme verursachte. Das System musste also wohl oder übel neu installiert werden.

Da ich einige Entscheidungen von Canonical bezüglich Ubuntu nicht vollständig teile (um mal die Schlagworte Unity, Ubuntu-One, CouchDB, Banshee zu nennen) und über Fedora sehr viel gutes gehört habe, wollte ich es mal ausprobieren.

Installation

Der Installer von Fedora (anaconda genannt) ist relativ elegant. Man kann mit minimalem Aufwand ein System installieren, dass direkt funktioniert. Das ist ein großer Vorteil gegenüber Gentoo. Die einzelnen Schritte zum Installieren eines Gentoo-Systems beherrsche ich zwar im Schlaf, aber sie sind aufwendiger (insbesondere wenn man nicht nur ein Kernsystem haben will, sondern auch X11, gnome und einen Browser). Die installierte Auswahl an Paketen ist grundsätzlich gut, bringt aber so manches Programm mit, was ich nicht benötigte.

Paketmanager

Gentoo bringt keinen graphischen Paketmanager mit. Es gibt aber diverse Ansätze um diesen zu etablieren, unter anderem PackageKit. Aus Ubuntu kannte ich synaptics, der mir wirklich gut gefiel. Fedora scheint keinen eigenen Paketmanager zu besitzen und statt dessen auch auf PackageKit zu setzen. Ich konnte mich zwar schnell wiederfinden, aber gpk-application ist bei weitem nicht so rund wie synaptics. Es ist schwierig die installierten Pakete zu finden, es wird zu viel wert auf die (leider meist schlecht gepflegte) Beschreibung anstelle des Paketnames gelegt und, was das größte Problem ist, die GUI versetzt sich des öfteren in einen Zustand, in dem nichts angeklickt werden kann (einfachstes Beispiel: nichts auswählen und Ausgewählte Pakete anklicken). Ich bin dazu übergegangen yum zu verwenden. Das Kommandozeilenprogramm lässt sich einfach bedienen und erfüllt seinen Zweck. Da ich unter Gentoo gewohnt bin mit emerge zu arbeiten, ist dies keine große Umstellung.

Software

Es gibt viel Software in Gentoo, die es nicht in Fedora gibt und umgekehrt. Interessant finde ich den Ansatz von Fedora, nur Software zuzulassen die aus den Quellen übersetzt wird. Das mag zwar theoretisch ein ganz toller Ansatz sein, ist aber in der Praxis kaum umzusetzen. Ich benötige beispielsweise den android-sdk. Gentoo stellt ein ebuild bereit, um das Binärpaket nach /opt zu installieren. Mit der richtigen Gruppenberechtigung darf der normale Nutzer auch neue API-Versionen installieren. Super. Unter Fedora wollte ich ebenfalls diesen Luxus. Theoretisch kann man sich den Android SDK selbst bauen (so weit ich weiß sollte alles daran Open-Source sein), aber wieso auf die vorbereiteten Pakete von Google verzichten? Ich bin dazu übergegangen aus Gentoo-ebuilds mir rpm’s für Fedora zu erstellen. Beide haben eine gewisse Ähnlichkeit obwohl ebuilds meines Erachtens bedeutend luxuriöser sind. Aber dazu ein andermal mehr.

Fazit

Gentoo bietet mit den ebuilds (und zugehörigen USE-Flags) eine perfekte Möglichkeit ein System genau so zu bauen, wie man es benötigt. Aber: es braucht Zeit. Fedora stellt ein sehr gut nutzbares System zur Verfügung. Es ist bei weitem nicht so „poliert“ wie Ubuntu. Es ist auch stärker auf Geeks ausgelegt (z.B. durch Verwendung von SELinux per Default, was nicht das einfachste Sicherheitsframework ist). Alles in Allem ist es aber absolut brauchbar und nach ein paar Konfigurationseinstellungen (SELinux deaktivieren, Themes installieren, Fonts anpassen, PS1 anpassen) sehr gut zu benutzen.

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